Fleisch schlägt Zeitgeist!

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    • Fleisch schlägt Zeitgeist!

      Es hält die Knochen zusammen und bringt sie auf Trab. Und in unseren Adern fließt roter Saft,
      der Leben ermöglicht. Menschen und Tiere bestehen aus Fleisch und Blut – solches aber zu
      essen – das bringt sie um! Eine wunderbare (Bio)Logik, die es in der Ernährungsbranche zu
      höchsten Weihen gebracht hat. Schwache Evidenz reicht hier immer aus, wenn das Vorurteil
      stark genug ist. Ein traditioneller Ober-Fleischwarner hat es sogar auf den DGE-Präsidentenstuhl
      geschafft. Dass mit bloßer Umsetzung der DGE-konformen Fleischbeschränkung mehr Gesundheit
      erreicht würde, mag der Überzeugung mancher entsprechen, doch wissenschaftlich nachgewiesen
      hat das noch niemand.

      Wer die Originalliteratur verfolgt, wird sich wahrscheinlich seit langem gewundert haben, woher
      die Einmütigkeit stammte, mit der rotes Fleisch an den Pranger gestellt wurde. Wie die Lemminge
      sind sie dem Zeitgeist gefolgt, die wachsende Heerschar an Gesundbetern und selbsternannten
      Ernährungsexperten. Und die Medien haben ihnen, statt kritisch zu recherchieren und kompetent
      zu kommentieren, ein fruchtbares Beet bereitet: Hauptsache fleischfrei - das hält gesund! Vegane
      Mythen zu verbreiten ist momentan umsatzträchtiger als Fakten aufzutischen.

      Dass hoher Fleischkonsum einerseits und freiwilliger Fleischverzicht andererseits in den westlichen
      Industrienationen Marker für das allgemeine Gesundheitsbewusstsein bzw. den Lebens- und Ernährungsstil
      sind, hätte sich eigentlich langsam ein wenig herumsprechen können. Eine Reihe konfundierender
      Faktoren kann jedenfalls das gelegentlich gefundene, schwache, (vermeintlich) erhöhte Risiko durch
      Fleischkonsum erklären, sofern man diese einigermaßen hinreichend erfasst und in die statistische Analysen
      einbezieht (Beispiele anbei).

      Eine neue Meta-Analyse vorliegender Kohortenstudien kommt nun zu dem Ergebnis, dass
      die Höhe des Konsums von rotem Fleisch weder die Gesamtsterblichkeit noch die kardiovaskuläre
      Sterblichkeit noch die Krebssterblichkeit beeinflusst! Nachdem für asiatische Bevölkerungen das
      Null-Risiko durch Fleisch schon vor einigen Jahren publiziert wurde, hat diese neue Analyse das nun
      auch explizit für die europäischen Kohorten gezeigt.

      Risiko durch rotes Fleisch erfährt man offenbar, wenn man in den USA lebt. Da sollte man sich doch die
      Frage stellen: Wie bereiten die US-Amerikanter Fleisch zu bzw. was essen sie dazu? Vielleicht kommt
      man über Wabbelsemmeln und frittierte Stärke näher an den Kasus-Knaxus?

      Ich hänge also diese neue Meta-Analyse von Wang et al. 2015 an, sowie einige andere lesenswerte
      aktuelle Veröffentlichungen zum Thema. Besonders bemerkenswert für mich ist, dass sogar der AID,
      bislang meist der Fährte der DGE folgend, einen kritischen Kommentar zum Thema veröffentlicht
      hat.

      Viele Grüße,
      Nicolai Worm

      P.S.: Ich bin schon auf die Kommentare gespannt, dass ich mit diesen Zeilen wohl noch höherem
      Fleischkonsum und der Massentierhaltung das Wort reden würde….

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Nicolai Worm ()