An die Insuliner unter uns
#1
Liebe Insuliner-

es sieht so aus, als käme ich nicht drumrum wieder Insulin zu spritzen.

HbA1c 8,7 nach einer echten Influenza im zweiten Quartal (unter LOGI fast ohne Stufe 3 und 4, BMI 25,6, Dreierkombi mit Victoza, Metformin und Glimepirid und ausreichend Bewegung). Nach Erhöhung der Victoza Dosis im ditten Quartal und keinerlei Ausflügen nach Stufe 3 und 4: 7,4. Super gesenkt, aber immernoch zuviel und ich habe meine Möglichkeiten ausgeschöpft.

Ich habe ein recht ausgeprägtes Dawn-Syndrom und komme vom hohen Nüchtern Bz tagsüber nicht mehr zufriedenstellend runter. Das war bisher vor der Influenza anders, da lag mein Hba1C bei 6,7/6,9. Man kann spekulieren, ob der Virus Betazellen zerstört hat, aber damit kommen sie auch nicht wieder!

Die Idee ist jetzt (off-Label) Levemir am Abend und Victoza einzusetzen.

Hat jemand von Euch mit der Kombi Erfahrung, bzw. wie gehts euch mit Insulin und LOGI? Und mögt Ihr mir von den einzelnen Therapieansätzen erzählen?

Mir grauts ein bisschen :S , ich hab das letzte Mal unter Insulin, rund 10 kg zugenommen, das war aber vor LOGI und ich werde LOGI sicher weitermachen!
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#2
Hallo Mel,

ich finde es gut, dass du den Schritt zu Insulin wagst. Am besten wäre gleich der Schritt zu ICT.

Die Befürchtung, dass du durch Insulin zunimmst, ist nicht begründet. Es ist nicht so dass das Insulin dick macht, sondern es sind die KH die mit dem gespritzten Insulin besonders gut verarbeitet werden. Wenn du dich trotzdem weiter LOGIsch ernährst, dürfte das Insulin sich nicht groß auf dein Gewicht auswirken.

Die Kombination Victoza (oder dann besser Bydureon) mit einem Langzeitinsulin würde ich für gut halten. Es passt vom Wirkmechanismus her bestens zusammen und ich habe schon positive Berichte von Leuten gelesen, die das gemacht haben. Das Problem ist, dass die Kombination nicht zugelassen und evtl. nicht auf Rezept zu haben ist. In einem Bericht wurde auch davon gesprochen, dass das Insulin privat bezahlt werden musste. Das klingt zwar erst mal schrecklich, aber z.B. mit 8 IE täglich, mit denen du wahrscheinlich auskommst, bleibst du noch unter 10 € pro Monat.

Du brauchst nur einen Arzt, der da mitspielt und dir Victoza und Insulin (evtl. nur als Privatrezept) verschreibt. Dem müsstest du dann nachweisen können, dass du deinen BZ gut im Griff hast und mit Selbstmessung regelmäßig kontrollierst. Außerdem hilft es dir vielleicht, wenn darauf hinweist, dass die Kombination Byetta/Lantus in den USA vor kurzem zugelassen wurde (siehe hier). Ich würde es an deiner Stelle versuchen und wünsche dir viel Erfolg bei den Verhandlungen mit deinem Arzt.

LG Rainer
Typ2-Diabetiker seit 2002
HbA1c ~6,0 mit 6IE Lantus
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#3
Moin Mel,

stimme Reiner voll zu. Denn Du hast keinen nennenswerten Erfolg mehr mit dem Standardmittel zum Antreiben der Insulin-Ausgabe. Da ist also nur noch wenig Rest, und auf dessen ausreichende Größe sind nun mal Victoza & Co voll angewiesen. Mag ja sein, dass es noch ein paar Monate in Kombination mit Lantus gehen könnte, aber das Hinausschieben der ICT macht neben dem immer längeren und höheren grenzwertigen BZ das Eingewöhnen in den gesunden Umgang mit den Insulinen ja nicht einfacher. Denn dabei hilft ja auch jedes noch verfügbare eigene Insulin.

Häufig kommt es hier im Forum rüber, als wenn der Gebrauch oder gar die Notwendigkeit von Insulin für ne verkorkste Typ2-Behandlung und ne bedenkliche Zukunft stehe. Dem will ich an dieser Stelle wieder mal energisch widersprechen. Nicht nur, weil Insulin sehr viel bewährter ist als ein Mittel wie Victoza und die restlichen Betas nicht erdrückend überlastet, wie Glimepirid, sondern weil das fortschreitende Schwinden der Betas beim Typ2 bislang weder erklärt noch nachweislich gestoppt werden konnte.

LOGI funktioniert so toll, weil es im Vergleich zum DGE-Standard den Insulin-Bedarf senkt und gleichmäßiger gestaltet und damit die restlichen Betas entlastet, so dass die wenigeren länger ausreichen und, so zumindest der gute Anschein, sehr viel langsamer weniger werden. So viel langsamer, dass hin und wieder auch der Eindruck von Stoppen entstehen mag. Wenigstens wenn man damit schon beim Prädiabetes anfängt. Nur gibt es dafür bislang nicht einmal aussagefähige Einzelresultate, weil bisher 10 und mehr LOGI-Jahre noch sehr selten sind und weil Anfänge schon mit Prädiabetes in der Vergangenheit nicht einmal von sehr fortschrittlichen Ärzten unterstützt wurden.

Niemand sollte daher enttäuscht sein, wenn's auch mit extrem LOGI nur noch mit Insulin funktioniert. Denn LOGIaner sind unter den Insulinern klar im Vorteil, wenn es um das Halten vom Gewicht und das Einhalten vom gesunden BZ geht :-)

Daumendrück, Jürgen
Die Freiheit der eigenen Meinung setzt zwingend die Achtung und den Respekt vor jeder anderen Meinung voraus. - Wer's auch so sieht, sagt's bitte einfach weiter.
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#4
Moin Herbert,

nicht glauben, sondern messen. Und auch da sind wir als Insuliner wieder im Vorteil. Denn wir bekommen einstweilen noch so viele Teststreifen, wie wir für eine ordentliche Blutzucker-Steuerung brauchen.

Und wenn Mel jetzt Deinem Rat folgt und mit dem Einverleiben Deiner Empfehlungen für ihren gesunden Blutzucker manchen Tag oder insgesamt weniger bis gar kein Insulin mehr braucht, kann sie doch super entsprechend drauf verzichten.

Natürlich hast Du mich jetzt neugierig gemacht. Wie gesund ist denn nun mit diesen Produkten Dein HBA1c? Und welchen Wert misst Du 1 Stunde nach dem Genuss einer Scheibe von dem Brot, das so gut für den Blutzucker sein soll?

Bin neugierig, Jürgen
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#5
Lieber Rainer, lieber Jürgen-

auf solche mutmachenden Antworten hatte ich gehofft! :100: Danke auch dafür dass ich hier nicht als gescheitert dastehe, ich fühl mich ein bisschen so, trotz LOGI und Sport und Gewichtsabnahme und Disziplin....

Mein Diabetologe scheint bereit, mir die Kombi von Insulin und Victoza off label zu verordnen, ich habe kein Problem mit dem off label thema, schon garnicht wo die FDA das ganze (Victoza plus Levemir) bereits zugelassen hat. Er wollte sichs nochmal überlegen, ich habe in zwei Wochen den nächsten Termin. Wir kennen uns schon länger, beruflich bereits bevor ich Diabetikerin wurde, und er ist meinen Therapievorschlägen sehr offen gegenüber, ich muss ihn nur vom "offlabeln" überzeugen, glaub ich. Big Grin Sollte ich das Insulin dann selber tragen müssen, werde ich das, das ist es mir wert.

Rainer, wieso würdest Du dann die Kombi mit Bydureon wählen, in den Vergleichsstudien ist es dem Victoza nicht überlegen, oder gibts da schon Kombistudien mit Insulin?

Und beta Glucane kann ich noch probieren, wenn mein HbA1c wieder in der Nähe von 6, 5 ist. Ich habe ne Weile in der Nahrungsergänzugsmittelindustrie gearbeitet und glaube diesen Studien eher nicht. Um Zimt wurde mal ähnlich gehypt....
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#6
Moin Mel,

im Grunde handelt es sich bei Byetta, Victoza und Bydureon um den selben Wirkstoff. Er sorgt dafür, dass die Typ2-defekte Insulin-Bestellung der Darmhormone (Inkretine) wieder funzt, wenn Glukose aus dem Darm in den Blutkreislauf übergeben wird. Aber funktionieren können diese Mittel selbstverständlich nur dann, wenn noch ausreichend Beta-Zellen Insulin produzieren und gespeichert halten und auf die Bestellung ausgeben können. Und je länger dann die Wirksamkeit einer Spritze, desto weniger Wirkschwankungen behindern dann die Wirkung in dieser Zeit.

Zu Deinem gescheiterten Gefühl: Wer weiß, dass der Grunddefekt auch beim Typ2 die Abnahme der Insulin produzierenden Beta-Zellen ist und dass deren Anzahl bei Erreichen der Diagnose-Grenzwerte für den Diabetes schon um die Hälfte und mehr gegenüber der eines gesunden Menschen gleichen Geschlechts und Alters mit gleichem BMI und mit gleicher Insulinresistenz(!) geschrumpft ist, braucht sich keine Vorwürfe zu machen. Denn der weiß ja auch, dass er mit Sport und Abnehmen und Ernährung nur die Auswirkungen dieses mehr oder weniger langsam fortschreitenden und der 3 damit verbundenen Defekte mindern konnte. Und der gratuliert sich zu jedem Tag, den er auf diese Weise geschafft hat, denn es gibt keine zieführendere Vorbereitung/Vorleistung für den gesunden Ersatz des fehlenden Insulins aus dem Pen :-)

Bisdann, Jürgen
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#7
Jürgen,

DANKE.

(fürs Erinnern daran, dass ich stolz sein kann es in den letzten Jahren ohne Insulin geschafft zu haben.)

Und ich werde dank LOGI und Insulin NICHT blind, ohne Füsse an der Dialyse enden.... 8)
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#8
MelH,'index.php?page=Thread&postID=641435#post641435 schrieb:Rainer, wieso würdest Du dann die Kombi mit Bydureon wählen, in den Vergleichsstudien ist es dem Victoza nicht überlegen, oder gibts da schon Kombistudien mit Insulin?
Hallo Mel,

Wenn du dir schon die Studien angesehen hast, dann bist du weiter als ich. Ich habe mich bisher nur auf diese Aussage des Diabetologen Dr. Keuthage im Onmeda-Forum verlassen.

Dr. Keuthage,'http://www.onmeda.de/foren/forum-diabetes/bydureon/2015926/read.html schrieb:Ab 1. September ist in Deutschland Exenatide 1x Wöchentlich verfügbar. Die Studien sprechen für eine deutliche Überlegenheit im Vergleich zu Byetta und Victoza. Vermutlich werden viele Personen umgestellt. Ich bin gespannt auf Ihre Erfahrungen.
Aber selbst wenn es nur genauso gut wirkt wie Victoza, würde schon die wesentlich bessere Handhabung für Bydureon sprechen, weil es nur einmal wöchentlich gespritzt werden muss.

Bydureon ist kein vollkommen neues (und noch nicht erprobtes) Medikament. Es ist Byetta so verpackt, dass es kontinuierlich über die Woche freigelassen wird. Durch die kontinuierliche Freisetzung ist es auch zuverlässig zu jeder Mahlzeit verfügbar und müsste deshalb eigentlich besser wirken als Byetta.

LG Rainer
Typ2-Diabetiker seit 2002
HbA1c ~6,0 mit 6IE Lantus
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#9
Hallo Mel,
vor der Kombination mit Insulin musst du auch keine Angst haben. Wenn du mit Bydureon anfängst wundere dich nicht, dass nicht sofort eine Wirkung eintritt. Es muss erst ein Spiegel im Körper erreicht werden. Dauert circa 14 Tage.

Grüße
Katti
So lange man Wünsche hat, kann man sich immer ein neues Ziel setzen!
Quelle: Irgendwo gelesen und für gut befunden!
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#10
Moin Rainer,

Du hast recht: Byderion ist Byetta, das bisher bewährteste dieser Mittel, mit Wirkverlängerung. Trotz meiner Reserve gegenüber neuen Medis würde ich es am liebsten als erstes Mittel empfehlen, weil es die Darmhormone bei ihrer Insulin-Bestellung nach dem Essen unterstützt. Und je mehr Betas dann noch Dienst tun, desto gesünder die Unterstützung und desto wirksamer die Verringerung der postprandialen Spitzen und der zuvielen Glukose aus der Leber.

Wenn der Organismus allerdings schon mit Sport und Abnehmen und erheblicher KH-Karenz und mit Victoza und mit dem gnadenlosesten noch verfügbaren aller Beta-Zell-Überlastungs- und Ablebensmittel Glimepirid nicht mehr ausreichend eigenes Insulin für den gesunden BZ schafft, würde ich nur noch bei älteren Betroffenen, denen ich die ICT mental nicht mehr zutraute, den Versuch mit so einem Inkretin-Mimetikum und Basal-Insulin gerechtfertigt sehen. Praktisch als Vorläufer für die CT, wo der Pflegedienst dann morgens und abends ein Mischinsulin spritzt.

Bisdann, Jürgen
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